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Die letzten Monate waren von starker Hitze geprägt. Auch im September 2015 zeichnen sich Temperaturen bis zu 25 °C ab. Hin und wieder würden sich die Stadtbewohner ein wenig Regen zur Abkühlung wünschen, doch dieser bleibt aus.

Storyline | Timeline

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The daily Bugle

September 2015: Wer hätte je gedacht, dass Magneto die Macht an sich reißen kann? Es gab politisch viele Veränderungen und neue Gruppierungen haben sich gebildet. Wo findet ihr euch wieder? Seid ihr im Untergrund und versucht Magneto zu stürzen? Oder unterstützt ihr seine Pläne in vollen Zügen?

Plots | Daily News

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    Annette
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    geschrieben von Linda und Annette

    «Oh, o.k.», sagte Julian, hielt inne und drehte sich gleich darauf wieder zum Tisch um, «klar, kann ich auch hier machen.»

    Er legte seinen Laptop wieder auf dem Tisch ab, zog sein nicht sehr geliebtes Handy aus der Tasche und scrollte durch seine nicht sehr zahlreichen Kontakte. Durch seine sehr überschaubaren Kontakte, wenn man es genau nahm, und so fand er die Nummer von Steve auch gleich, wählte sie aus, startete das Telefonat und legte das Gerät neben seinen Laptop auf den Tisch. Damit Seth auch etwas hören konnte, aktivierte er den Lautsprecher, auch wenn das seltsame Scheppern, das dieser den Stimmen verlieh, ihn in den Ohren schmerzte. Aber es würde schon gehen, er war da mittlerweile anderes gewohnt. Julian wechselte einen Blick mit Seth, während er darauf wartete, dass sich am anderen Ende etwas tat.

    Für Steve hatte sich nicht viel geändert. Sicher, die neue … Regierung jagte ihn nicht, kein Wunder, aber er betrachtete sie deswegen noch lange nicht als positive Kraft, der er sich einfach aussetzte. Entsprechend bewegte er sich immer noch im Untergrund und entschied selbst, von wem er sich sehen ließ und von wem nicht.

    Als sein Handy vibrierte, saß er gerade mit einem Kaffee in Noahs Wohnzimmer. Louisa werkte in der Küche, denn sie hatte ihm zum Essen eingeladen, während Noah noch in der Kirche war. Ihre Unterstützung war in den Monaten der Flucht wahres Gold wert gewesen. Die Nummer, die aufleuchtete, war überraschend. Steve hatte sie nicht eingespeichert, denn er konnte alle auswendig – sicher war sicher.

    «Steve Rogers.», meldete er sich trotzdem am Telefon, sicher war sicher – man wusste nie, ob Julian nicht geschnappt worden war und gerade jemand herauszufinden versuchte, ob er Kontakt mit ihm, Steve, gehabt hatte. Also lieber etwas unpersönlicher.

    «Mr Rogers? Steve?», fragte Julian ein bisschen unsicher und wechselte einen weiteren Blick mit Seth, «sind Sie das?»

    Natürlich wusste er ganz genau, dass diese Stimme Steve gehörte, dennoch war er ein wenig irritiert davon, dass sich jemand an seinem eigenen Handy mit Namen meldete. Aber gut, vielleicht hatten sich Steve die Gepflogenheiten des Festnetzes einfach zu sehr eingeprägt. Immerhin war er so alt, dass selbst dieses in seiner Jugend für Viele ein in seiner allgemeinen Verfügbarkeit noch recht neue Errungenschaft gewesen war.
    «Hier ist Julian», antwortete er mit ein wenig Verzögerung, da er ob des seltsamen Beginns nicht genau wusste, ob Steve klar war, mit wem er sprach, «Julian O’Neil. Können Sie frei sprechen?»

    Diese Nachfrage wiederum war ihm selbst in den Monaten ihres Untergrundlebens zur Gewohnheit geworden.

    «Ja, genau», erwiderte Steve, sich auf die Frage nach seiner Person beziehend. Schön, von Ihnen zu hören.» Er lächelte. Es war tatsächlich schön, dass es Julian noch gab, was in seiner Position nicht selbstverständlich war. Und Steve hoffte auch, dass sein Partner, Seth, ebenfalls noch auf seinen Füssen stand. Die Angst, welche dieser bei der Begegnung vor einigen Monaten gezeigt hatte, hatte ihn noch beschäftigt, genau wie die sture Hoffnung, dass es noch immer Hoffnung gab. «Ich kann frei sprechen», bestätigte er dann. «Geht es Ihnen gut? Und ihrem Freund?» Er war vorsichtig geworden, nannte keine Namen, nichts, was nicht nötig war. Man konnte nie wissen.

    «Hm, ja, na ja», antwortete Julian etwas unbestimmt, da er nie so recht wusste, was er auf diese Frage antworten sollte, «soweit alles in Ordnung. Wir leben. Beide.»

    Das war vermutlich auch das Maximum, was man in ihrer Situation erwarten durfte. Sie lebten und sie waren unversehrt. Zumindest körperlich

    «Wir, also…», wollte Julian gerade beginnen, ihre Bitte zu formulieren, als ihm auffiel, dass das wohl etwas zu sehr mit der Tür ins Haus gefallen wäre und er sich schnell wieder auf seine gute Kinderstube besann.

    «Und Sie? Wie geht es Ihnen? Wir haben während der letzten Monate nichts davon gehört, was Sie tun.»

    Davor schon. Davor war es leicht gewesen, Steves medienwirksame Aktivitäten zu verfolgen. Aber seit dem Umbruch und auch schon eine kleine Weile davor war es still geworden um Amerikas einstiges Idol. Ob es ihm gut ergangen war? Auf jeden Fall hatte er sich erwartungsgemäß nicht lautstark auf Magnetos Seite geschlagen, das hätte dieser bestimmt in der Presse verlautbaren lassen. Und genau diese Stille war ja auch der Grund, warum Seth und Julian heute diesen Anruf wagten.

    «Es war schon besser – aber auch schon viel schlechter, danke der Nachfrage», antwortete Steve.

    Sein Mass an ’schlecht› war ein ziemlich Brutales, immerhin hatte er im Krieg gekämpft. Entsprechend blieb er auch gelassen und unaufgeregt. Das führte zu nichts, das wusste er genau.

    «Aber, nur zu, wie kann ich Ihnen helfen?»

    Dass Julian nicht zum Spass und für eine Plauderei anrief, wäre auch klar gewesen, hätte er nicht schon dazu angesetzt, es zu sagen. Steve war sich wohl bewusst, dass er nicht zum Freundeskreis gehörte, wenn es so etwas überhaupt gab. Sie waren Verbündete, schon eine ganze Weile, und das war auch gut so.

    Schon besser, aber auch schon viel schlechter.
    Das, dachte Julian, das muss ich mir merken. Das war eine sehr gute Antwort auf diese immer wieder gestellte Frage.

    Und damit war der Smalltalk auch am Ende, was Julian, der für derlei ohnehin wenig Talent hatte, sehr entgegen kam. Ja, wie konnte Steve ihnen helfen? Das war im Grunde eigentlich ganz einfach. Doch zunächst bräuchte er wohl ein paar Erklärungen, die ihre Bitte plausibel erscheinen ließen.

    «Also, wir…», begann er wieder und dachte, dass er wohl nicht erklären musste, wer «wir» genau waren, «wir haben uns ein paar Gedanken gemacht…»

    Und dann hörte Julian auf, über jedes Wort nachzudenken, da dies ohnehin nur dazu führte, dass er immer wieder abbrach und sich verhaspelte. Er begann einfach zu erzählen.

    «Auch wenn wir nicht schon wieder auf der Seite der Verlierer stünden und ja, ich weiß, das haben wir uns selbst zuzuschreiben, also auch wenn wir das nicht täten, würden wir uns angesichts der Ereignisse der letzten Monate Sorgen um die Demokratie unseres Landes machen. Ach, Sorgen klingt viel zu harmlos. Es sind keine Sorgen, es sind wahr gewordene Ängste. Wir werden von Putschisten regiert, Mutanten oder nicht, und sie sitzen mittlerweile sehr fest im Sattel. Auch wenn sie jetzt noch so tun, als wollten sie das Wohl aller, ist es doch klar, dass… «, Julian brach ab, «na ja, wir haben es mit Magneto zu tun, dem ein Menschenleben nichts bedeutet. Das hat er oft genug bewiesen.»
    Ob Steve jetzt dachte, dass es die persönliche Abneigung war, die sie antrieb? Oder würde er ihnen glauben, dass es das Wohl des Landes, das Wohl von Menschen und Mutanten war, das ihnen am Herzen lag?

    Ja, allerdings hatten Julian und Seth das seltene Pech, schon wieder verloren zu haben. Ausgerechnet die Mutanten, welche ihre Feinde waren, hatten die Macht ergriffen. Für sie wäre es besser gewesen, irgendeine mutantische Organisation hätte das geschafft – bloss nicht Magnetos Brotherhood, das war Steve klar. Tatsächlich war er sich nicht so sicher, dass es wirklich um den Staat ging, welcher wirklich nicht viel dafür getan hatte, dass es Menschen wie Julian und Seth gut ging, aber auf der anderen Seite hatten diese beiden Männer schon viel Sitzfleisch bewiesen dabei, das richtige zu tun. Es wäre leicht gewesen, sich einfach abzusetzen, das war klar. Doch sie hatten es nicht getan.

    «Nur weiter, ich höre Ihnen zu.», erklärte er darum ruhig. «Was benötigen Sie von mir?»

    Julian atmete tief durch und fuhr fort.
    «Wir haben Informationen, dass der Weltsicherheitsrat und die demokratischen Staaten dieser Welt mit großer Besorgnis auf uns, auf die USA blicken. Und wir verfügen über… nun, wir finden, wichtige Informationen, die wir uns… beschaffen konnten und von denen wir denken, dass… dass sie nützlich wären, wenn demokratische Regierungen davon erführen. Und die Kanäle… die sind offen für mehr.»

    Steve wusste um Seth› Mutation und um die Fähigkeiten dieses Tandems, Informationen auf legalem und illegalem Weg zu beschaffen, zu analysieren und zu sortieren und entsprechende Stellen damit zu füttern. Nicht zuletzt hatten sie herausgefunden, was in den geheimen Laboren der Army passiert war und hatten diese Informationen für ihre gewagte Aufklärungskampagne genutzt, die ihnen ihren ersten offiziellen Status als «Terroristen» eingebracht hatte. Julian erklärte also nicht weiter, sondern fuhr mit dem Wesentlichen fort.

    «Was uns derzeit fehlt, ist ein Kontakt. Ein Kontakt, bei dem wir unsere Informationen platzieren können, der sie an die richtigen Stellen weiterleiten kann und der, zumindest im Optimalfall, auch uns, seine Informanten schützt, indem er den Mund hält. Und da… dachten wir an ehemalige SHIELD-Agenten, die ihrer Organisation vielleicht treu geblieben sind und immer noch ein wachsames Auge auf die Gegebenheiten hier haben, und daran, dass Sie… vielleicht…, dass Sie uns vielleicht helfen könnten, einen solchen Kontakt aufzunehmen.»

    Schweigend hörte Steve einfach zu. Natürlich bestätigten sich die beiden immer noch im Informationshandel, wenn man es so nennen wollte. Er machte sich auch keine Illusionen, dass das möglicherweise durchaus auch so war und nicht nur politische Aktionen beinhaltete. Es musste verlockend sein, so viele Dinge zu wissen.

    Einen ehemaligen SHIELD-Agenten, dachten die beiden, allerdings war das Problem bei Ehemaligen, dass sie eben genau das waren. Ehemalig. Der naheliegendste Gedanke war für ihn tatsächlich Damian Gryphon, welcher federführend gegen die Brotherhood ermittelt hatte, damals, als das noch möglich gewesen war. Wo der Mann jetzt steckte, wusste Steve nicht so genau, aber er würde ihn sicher finden.

    «Vor dem Putsch gab es ein Team bei SHIELD, welches sich ausschliesslich um die Brotherhood gekümmert hat. Das wäre eine Eingangsquelle für Informationen, welche jetzt noch immer glaubwürdig wäre, denke ich. Der führende Agent war Damian Gryphon… er hat auch mit unserem gemeinsamen Bekannten Katsuo gearbeitet, ein sehr zuverlässiger Mann und alles andere als ein wild schiessender Cowboy. Ich kann versuchen, ihn für Sie zu kontaktieren… Möglicherweise hat er zwar die Gelegenheit genutzt, sich endlich pensionieren zu lassen, aber ich bezweifle es.», schlug Steve dann vor. Wenn er das schon mal vorgängig abklopfen konnte, dann musste Gryphon eine doppelte Prüfung bestehen. Auf keinen Fall wollte Cap Julian und Seth einen Bärendienst erweisen.

    Steve zögerte nicht, stellte nicht eine einzige Frage, um herauszufinden, ob Seth› und Julians Absichten wirklich so edel waren, wie Julian sie dargestellt hatte. Erleichtert bemerkte Julian, dass er den alten, jungen Mann richtig eingeschätzt hatte. Steve war ein Mann der Tat, der nicht ewig rumquatschte, bevor sich entschloss zu helfen.

    Ein Team, das speziell auf die Brotherhood angesetzt gewesen war… das war… nicht schlecht. Die wussten, mit wem sie es zu tun hatten und die hatten sicher etliche Mitglieder der heutigen Regierung in früheren Zeiten bei sich «zu Gast» gehabt, als die Vorzeichen noch andere gewesen waren. Blieb zu hoffen, dass sie nicht auch Seth auf der Agenda gehabt hatten oder zumindest mittlerweile davon überzeugt waren, dass sie den Falschen gejagt hatten, falls dem so war.

    Damian Gryphon. Julian warf Seth einen Blick zu, der bei der Namensnennung augenblicklich zu tippen begonnen hatte. Julian musste grinsen. Das sah so geschäftig aus. Dabei wusste er ganz genau, dass es nur eine Gewohnheit war, die Seth sich damals, als er noch eine Firma hatte und Kunden zu sich einlud, angewöhnt hatte, damit diese nicht stutzig wurden. Und manchmal tat er es eben auch zu Hause. Vielleicht um der alten Zeiten willen…

    Damian Gryphon und Katsuo. Über den hatten sie ja auch eben erst gesprochen. Es wäre ja ein interessanter Zufall, wenn der ihr Kontaktmann würde, auch wenn Julian damals bei ihrem einzigen Treffen nicht das Gefühl gehabt hatte, dieser Katsuo stünde besonders hoch in der Hierarchie. Er persönlich würde eine Führungspersönlichkeit vorziehen, wenn sie sich schon aus ihrem Mauseloch wagten und wieder große Risiken eingingen.

    Genau das dachte Steve offenbar auch, denn er hielt sich nicht lange bei Katsuo auf, sondern schlug gleich vor, den Chef zu kontaktieren. Damian Gryphon.

    «Das wäre großartig», beeilte Julian sich zu sagen, nachdem Seth offenbar nichts vordergründig Verdächtiges gefunden und genickt hatte, «das würde uns wirklich sehr weiterhelfen.»

    Die kurze Stille, die entstand, war wahrscheinlich der Absprache oder Recherche geschuldet, dachte Steve, und wartete. Für die beiden ging es um viel, das war klar, und entsprechend lohnte es sich, geduldig zu sein. Sie leisteten nämlich auch viel. Er war aber nicht erstaunt, als es einen Moment später schon mit einer Zustimmung weiterging.

    «Okay. Ich kontaktiere ihn und melde mich bei Ihnen, egal, was das Ergebnis ist. Falls er einverstanden ist, können Sie mir dann ja sagen, wie Sie sich einen Kontakt vorstellen. Gibt es etwas, das ich ihm ausrichten soll oder sage ich ihm einfach das, was Sie mir gesagt haben?»

    Die Namen von Julian und Seth würde er ihm nicht nennen, denn Steve ging sehr davon aus, dass seine eigene Reputation ausreichte, um die ganze Sache interessant zu machen.

    «Danke», sagte Julian schnell, «und Nein, etwas ausrichten müssen Sie nicht. Sie wissen ja nun grob, um was es geht und…»
    Wieder wechselte Julian einen sich versichernden Blick mit Seth.
    «… und das können Sie auch weitergeben, wir vertrauen Ihnen. Vielen Dank.»
    Julian hielt einen Moment inne. Stille breitete sich aus. Doch dann wusste er, was er noch sagen wollte.
    «Es ist nicht selbstverständlich in diesen Zeiten, dass jemand hilft. Es ist gefährlich, uns zu kennen. Ich… kann es nicht gut ausdrücken, aber Sie wissen nicht, wir gut es tut, mit jemandem zu sprechen, der nicht zögert. Ich… danke Ihnen wirklich von Herzen.»

    Jetzt wagte Julian es kaum, Seth anzuschauen, dem das alles bestimmt viel zu dick aufgetragen war. Doch Julian hatte seit Monaten mit kaum jemand anderem gesprochen als Seth und Shen, wobei die Zeiten, in denen er längere Gespräche mit Shen geführt hatte, auch irgendwie vorbei waren. Er hatte kein soziales Leben mehr und auch wenn dieses von jeher eher dürftig gewesen war, so bemerkte er gerade in diesem Augenblick, als er mit Steve sprach und ihm eine Woge unzweifelhaften Vertrauens entgegenkam, wie sehr ihm genau das fehlte.

    • Diese Antwort wurde vor vor 2 years, 4 months von Annette bearbeitet.
    #63518

    Annette
    Spieler

    Das, fand Magneto, klang doch schon viel besser. Ehrlicher. Und angemessener vor allem. Warum sollte ein Mutant in einem von ihm regierten Land auch nicht bei seiner ebenfalls mutantischen Frau leben und seine mutantische Tochter aufwachsen sehen? Das war es doch schließlich, um was es bei dem ganzen Kampf gegangen war. Dass Mutanten sein konnten, was sie waren, ohne sich verstecken zu müssen.

    Die Realität hatte gezeigt, dass der einzige Weg zu diesem Ziel über die Unterjochung der Homo Sapiens führte, die einfach nicht hatten einsehen wollen, dass ihre große Zeit vorbei war und immer aggressiver gegen die weiter entwickelte Spezies vorgegangen waren. Nur Traumtänzer wie Charles hatten sich bis zum Schluss vormachen können, dass es Platz für alle auf dieser Erde gab. Jeder, der einigermaßen realistisch unterwegs war, hatte längst eingesehen, dass das nicht funktionierte. Und die Entschlosseneren unter ihnen hatten getan, was getan werden musste und zur Belohnung durften sie jetzt die neuen Bedingungen diktieren. Und die waren, was Magneto anging, nicht schwierig: Jeder Homo Superior bekam Kredit, vorausgesetzt, er hatte ihn zuvor nicht aktiv verraten. Jeder Homo Sapiens hatte dankbar zu sein, wenn man ihn in Ruhe ließ. Das Ganze verkaufte Magneto großzügig lächelnd als eine fortschrittliche Form der Rückkehr zu Recht und Ordnung und die Leute fraßen ihm aus der Hand. Die meisten jedenfalls. Und diejenigen, die wussten, was gut für sie war. Wie Cyclops hier zum Beispiel.

    Magneto nickte.
    „Ich weiß nicht, warum du so nervös bist, Cyclops. Du bist ein Homo Superior, deine Frau ist Eine und deine Tochter wird es auch sein. Damit du und deinesgleichen in Frieden leben können, haben wir gekämpft. Warum sollte ich es dir verwehren?“

    Magneto wusste natürlich ganz genau, warum Cyclops nervös war, aber er fand das ziemlich überflüssig. Wenn Charles seine Anhänger richtig informiert hätte, dann wüsste der junge Familienvater, dass Magneto immer und immer wieder um die Freundschaft und die Unterstützung des alten Telepathen gekämpft hatte. Dann wüsste er, warum er zu dem Entschluss gekommen war, dass Terror der einzig gangbare Weg wäre und dann wüsste er auch, dass er, Magneto, niemals einen Homo Superior leichtfertig aufgeben und schon gar nicht für eine fehlgeleitete Meinung büßen lassen würde.

    „Die Zeiten haben sich geändert“, sagte er jetzt, „Freundschaft oder Feindschaft zweier alter Männer sind nicht länger wichtig. Jetzt gilt es, dieses Land aus dem Chaos zu führen und zu einem lebenswerten Ort für uns zu machen. Und dazu gehört, dass du und deine Familie in Frieden leben können.“

    Und vielleicht, so dachte Magneto, erkennst du dann ja auch, dass du diesem Land und seiner Regierung etwas schuldest und hilfst mit. Glücklicherweise befand man sich jetzt ja in einer Situation, in der an unterschiedlichsten Stellen Leute gebraucht wurden, so dass sich auch für diejenigen eine sinnvolle Tätigkeit finden ließ, die zuvor durch luxuriöse moralische Vorstellungen davon abgehalten worden waren, ihren Beitrag zu leisten.

    „Kann ich sonst noch was für dich tun?“, fragte Magneto, der sich allmählich in der Rolle des großzügigen Gönners zu gefallen begann. Vielleicht konnte er Cyclops ja eine angemessene Immobilie vermitteln. Er lächelte verschlagen und dachte an die schicke Villa eines gewissen Senators, die zum Verkauf stand, weil der fragliche Herr es vorgezogen hatte, seine mittellose Ehefrau ohne weitere Angabe von Gründen allein in dem Kasten sitzen zu lassen und unterzutauchen. Aber, so dachte Magneto voller Vorfreude, er würde schon wieder auftauchen und dann bekam er, was er verdiente.

    Erst aber richtete der Regierungschef seinen Blick und seine Aufmerksamkeit wieder auf seinen Besucher und schaute ihn fragend an.

    • Diese Antwort wurde vor vor 2 years, 6 months von Annette bearbeitet.
    #63492

    Annette
    Spieler

    Wieder biss Julian in sein Brot und überlegte, ob er noch genug Appetit hatte, ein Stück Apfel oder vielleicht eine Scheibe von dem guten spanischen Schinken folgen zu lassen. Er mochte diese Qualitätsware wirklich gern, auch wenn man ihn mit den handelsüblichen Produkten aus dem Supermarkt, die sich „Schinken“ nannten, jagen konnte. Ab und zu war es gut, seinen Mut zusammenzunehmen und etwas Neues zu probieren, denn wenn man Glück hatte, fand man auf diesem Wege ein Lebensmittel, das einem ein überraschendes Mehr an Genuss im Leben bereiten konnte.

    „Klar, mache ich“, stimmte er kauend zu, Rogers zu kontaktieren. Er hatte eine Telefonnummer, aber die letzten Kontakte hatten jeweils über den sicheren Chatroom stattgefunden, den Seth eingerichtet hatte. Julian überlegte, ob er einen Anruf wagen konnte und entschied, dass dieses Risiko wohl hinnehmbar war. Bei der Brotherhood wusste niemand von ihrer Bekanntschaft und Rogers würde wohl auch nicht unter Beobachtung stehen, nachdem er sich im letzten Winter doch unter großem persönlichen Einsatz für die Rechte von Mutanten eingesetzt hatte. Das Einzige, was ihn verdächtig machen könnte, war die Tatsache, dass er die Methoden der Brotherhood immer öffentlich verurteilt hatte. Aber wie hieß es so schön? Sieger konnten sich erlauben, großzügig zu sein und Magneto, in seiner neuen Rolle als Vater der Nation, konnte auch nicht jeden, der kein Terrorist sein wollte, verfolgen.

    „Ich denke, ich rufe ihn an, wenn dir das recht ist.“
    Fragend schaute der Jüngere Seth an. Wenn der Einwände hatte, würde er sie schon vorbringen.
    „Vorausgesetzt, er hat noch dieselbe Nummer. Aber ich glaube, jemand wie Rogers wechselt seine Nummer nicht häufig. Er stammt ja aus einer Zeit, in der man seine Telefonnummer sein ganzes Leben lang behalten hat. Wenn man überhaupt ein Telefon hatte.“
    Lächelnd erinnerte Julian sich daran, wie Rogers ihm gestanden hatte, welche Schwierigkeiten er mit der Umstellung in dieses rasante, technologische Leben er bisweilen hatte. Aber, so dachte Julian, für jemanden, der so uralt war wie Rogers, schlug er sich eigentlich ganz tapfer.

    „Das Bewegungsprofil der öffentlichen Aktivitäten von SHIELD im Ausland stelle ich dir aber trotzdem zusammen“, bot er dann an, „man kann nie zu viele Informationen haben. Wer weiß, wofür das noch nützlich ist.“
    Und außerdem hatte er diese Arbeit ja sowieso schon zum Großteil erledigt. Die paar Stunden, die es brauchte, um sie fertigzustellen, die würde er jetzt auch noch investieren.

    Julian schluckte ein letztes Mal, entschied sich, wie es seine Art war, gegen den Schinken und den Apfel und für die Arbeit.

    „O.k., im Grunde kann ich es sofort erledigen, oder spricht was dagegen?“, hakte er noch kurz nach, während er sich schon erhob und nach seinem Laptop griff. Den Tisch würde Seth später abräumen, denn dessen Mahlzeit war ganz bestimmt noch nicht beendet.

    #63409

    Annette
    Spieler

    „Okay“, stimmte Julian Seth‘ Gedanken mal grundsätzlich zu und betrachtete nachdenklich sein Brot, „ich kümmere mich darum, eine Art Bewegungsprofil der Organisation, was die öffentlich zugänglichen Daten betrifft, zu erstellen. Wenn du die alten Daten durchforstest, können wir dann abgleichen, welche der alten Daten möglicherweise für uns von Wert sein und zu Kontaktdaten werden könnten.“
    Er hielt kurz inne.
    „Ich hab`da schon eine ganze Menge, müsste es hauptsächlich sortieren und überprüfen. Aber jetzt, wo ich eine Idee hab‘, wo’s hingehen soll, ist das nicht weiter schwer und in ein paar Tagen erledigt.“

    Das war doch ein Ansatz. Sie würden die alten Daten von SHIELD und die aktuellen Infos aus dem Netz nutzen, um möglichst breit gestreut möglichst unauffällige, aber Antwort erfordernde mails an relevante Stellen abzusetzen und dann gucken, was dabei herauskam.

    „Vielleicht“, überlegte Julian laut weiter, „sollten wir uns als eine Gruppe ausgeben, also eine Gruppe mit Namen, die im Interesse der Demokratie und der demokratischen Länder in den USA politisch aktiv sein oder werden möchte. Und vielleicht… hm, sollten wir das Thema Mutanten beim Erstkontakt gar nicht so in den Vordergrund rücken und eher im Dunkeln lassen, wer oder was wir sind.“

    Denn dass SHIELD ein Interesse daran haben musste, politische Aktivisten in den USA zu kontaktieren und diese nach Kräften zu unterstützen, war sehr gut vorstellbar, wogegen Julian nicht so ganz sicher war, dass die Türen auch so weit aufgestoßen würden, wenn die Organisation gleich wusste, dass es sich bei diesen Aktivisten um zwei Mutanten handelte. Selbst wenn sie nicht verlautbaren ließen, wer genau sie waren und dass die immerhin noch demokratisch agierende Regierung vor dem großen Umsturz sie als staatsgefährdend eingestuft hatte. Eine Tatsache, die sie im Grunde mit Magneto auf eine Stufe stellte und sicher zu einigem Misstrauen, wenn nicht zu dem falschen Ehrgeiz sie festzusetzen, bei den prominenten Terror-Bekämpfern führen würde.

    Die Absurdität dieses Gedankens ließ Julian ein bisschen traurig lächelnd den Kopf schütteln. Doch dann wandten sich seine Gedanken wieder den praktischen Überlegungen zu.

    Dass sie diese mail-Kontakte von verschiedenen IP-Adressen aus, mit unterschiedlichen Identitäten und Schreibstilen knüpfen würden, war klar. Vielleicht würde einer oder mehrere dieser Kontakte ihnen eine Möglichkeit aufzeigen, wie sie einen sich noch in den USA befindlichen Agenten aufspüren und um Hilfe bitten konnten. Das alles war riskant. Für sie beide, aber sie hatten sowieso nicht viel zu verlieren, dachte Julian, aber eben auch für SHIELD, das in den USA nicht länger erwünscht war. Wenn es zu Kontakten kam, dann würde es sicher eine Überprüfung auf Herz und Nieren geben, bevor man sie näher an eine möglicherweise verbliebene Zelle in diesem Land heranließ und diese dem Risiko aussetzte, verraten zu werden.

    Julian seufzte.
    „Andererseits… die werden uns sowieso auseinandernehmen, bevor wir zu irgendwem hier in Kontakt treten können. Das Risiko, dass wir uns einschleusen und ihre verbliebenen Strukturen und Agenten hochgehen lassen wollen, ist für sie viel zu hoch. Wir müssen die Kontaktaufnahme extrem vorsichtig formulieren, damit uns das später nicht um die Ohren fliegt und zum Verhängnis wird.“

    Gab es noch mehr Verhängnis als das, was sie beide während der letzten zwei Jahre durchgemacht hatten? Gab es noch mehr Verhängnis als diese verfahrene Situation, in der sie in ihrem Penthouse quasi gefangen waren, ohne die geringsten Aussicht auf Besserung der Situation? Ja, dachte Julian, gab es. Immerhin waren sie mittlerweile wieder einigermaßen gesund und bei Verstand, hatten es warm und trocken und sogar ziemlich luxuriös. Das war mehr, als sie lange Zeit zu hoffen gewagt hatten. Also sollten sie das Risiko, dieses Wenige wieder aufgeben zu müssen, so gering wie möglich halten.

    „Am einfachsten wäre es wirklich, wenn wir über Rogers, der uns kennt und vertraut, -das glaube ich zumindest -, reinkommen könnten. Abhängigkeit hin oder her.“

    Doch was immer es auch war, was sie tun würden, Hauptsache, sie wurden wieder aktiv. Und zwar mit einer gezielten Aktion. Das würde ihnen beiden guttun, dachte Julian und hoffte, dass eine solche Aktion diesmal ein bisschen weniger desaströse Auswirkungen haben würde als ihre Aktivitäten in der Vergangenheit.

    #63386

    Annette
    Spieler

    Magneto sah Cyclops entgegen und wusste schlagartig wieder, warum er die X-Men nie hatte leiden können. Diese geleckte Begrüßung, als seien sie alle nur x-beliebige Homo Sapiens, kein Stolz, die Unterwürfigkeit war beinahe körperlich zu spüren. Dabei wusste jedes Kind, was für eine mächtige Mutation Cyclops sein Eigen nannte, von Phoenix ganz zu schweigen. Auch einen Iceman hätte Magneto immer gern in seinen Reihen willkommen geheißen, aber der nötige Stolz für diesen Schritt fehlte offenbar nicht nur Cyclops. Nun gut, das war vorbei und jetzt brauchte er sie auch nicht mehr. Zumal ihm diese plakative Selbstlosigkeit, mit der Cyclops um die Freilassung seiner Frau und seines Freundes bat, Übelkeit bereitete. Klar, auf keinen Fall wollte seine Heiligkeit für sich selbst bitten. Oder gar fordern, was Magneto nur natürlich gefunden hätte. Schließlich waren die drei Homo Superior von einem terroristischen Richter, dem sich die ehemaligen Brüder und Schwestern dieser Regierung mittlerweile längst angenommen und seiner gerechten Strafe zugeführt hatten, wegen einer Lappalie zu einer vollkommen ungerechtfertigten Haftstrafe verurteilt worden. Die auf die Verurteilung erfolgte Flucht war eine der wenigen Aktivitäten der X-Men gewesen, die Magneto gutgeheißen hatte, auch wenn er selbst gar nicht erst zugelassen hätte, dass seine Leute bei diesem gerichtlichen Zirkus hätten mitwirken müssen. Aber gut, auch das passte ja zum allgemein propagierten Bild der Märtyrer mit der reinen Seele, das Charles so gern postulierte.

    Jetzt also kam einer dieser Märtyrer für seine Frau und seinen Freund betteln. Mit braven Worten und sich selbst hintenanstellend, als existierten er und seine Bedürfnisse gar nicht.

    „Aha“, kommentierte Magneto trocken und wenig begeistert diese den Bittsteller erniedrigende Form der Gesprächseröffnung.

    „Versuch`s nochmal“, ermunterte er den sonnenbebrillten Supermutanten gleich darauf und kam sich vor wie ein wohlmeinender Großvater, der versuchte, seinem Enkel die angemessenen Umgangsformen beizubringen. Und weil er ja kein Unmensch war, gab er dem nervösen Prüfling auch noch ein paar nützliche Tipps.

    „Ein bisschen mehr Stolz, ein bisschen mehr Ehrlichkeit, was die eigenen Wünsche angeht, und ich denke, wir könnten ins Gespräch kommen.“

    • Diese Antwort wurde vor vor 2 years, 10 months von Annette bearbeitet.
    #63368

    Annette
    Spieler

    Julian nickte erleichtert und nahm sich selbst auch eine Scheibe Brot, als Seth zustimmte und Carrie aus dem Rennen warf. Er bevorzugte das Brot nach wie vor trocken, doch das Essen von ihm bekannten Lebensmitteln in Seth`Gesellschaft machte ihm schon lange nichts mehr aus und beanspruchte nur noch einen Bruchteil seiner Konzentration. Er biss ein kleines Stückchen ab und kaute bedächtig. Während er der Entwicklung des Zuckers in seinem Mund nachspürte, um von nichts überrascht zu werden, spann er den hingeworfenen Gedanken seines Freundes weiter.

    „Ich finde, wir sollten es auf jeden Fall mal mit Rogers versuchen. Es kann ja nichts passieren. Ich halte ihn für absolut integer und das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass wir ihn nicht aufstöbern.“

    Er schluckte und fuhr sich mit der Zunge über die Zähne, um die aufgeweichten Brotkrümel zu entfernen, bevor er ein frisches Stück abbeißen würde. Vorher aber ließ er das Brot erst einmal sinken und dachte weiter nach.

    „Das Zweitschlimmste wäre, dass Rogers uns nicht helfen will. Aber ich hab`ihn nie anders erlebt als absolut ehrlich. Ich schätze, er würde uns sagen, dass er nicht hilft und die Sache ad acta legen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er etwas gegen uns unternehmen würde. Gut, ich könnte mich irren…“

    Nein, das glaubte Julian eigentlich nicht. Mit Rogers verbanden ihn einige wenige, dafür aber sehr intensive Begegnungen und Rogers hatte nie etwas anderes gesagt als getan. Auch wenn es unangenehm wurde. Nein, Julian war sich ziemlich sicher, dass ihnen aus dieser Richtung keine Gefahr drohte.

    „Das Drittschlimmste“, fuhr er fort und musste grinsen, weil sie selten so viele harmlose Optionen gehabt hatten, die er mit fast kindlicher Freude aufzählte, „wäre die, dass Rogers keinen Kontakt mehr hat und die Kontaktdaten weder im Kopf noch irgendwo sonst aufgehoben hat. Unwahrscheinlich, auch wenn Rogers in mancher Hinsicht ein Dino aus dem letzten Jahrhundert ist.“

    Julian machte eine Pause, biss wieder von seinem Brot ab und kaute sorgfältig. Seth schien vollauf damit zufrieden zu sein, seinen extravaganten Mischmasch zu frühstücken und nutzte die Pause nicht, um zu antworten. Vielleicht hoffte er auch, dass Julian noch ähnlich harmlose viert- bis zehntschlimmste Optionen einfielen und sie dieses schöne Spiel noch ein bisschen spielen konnten.

    Julian jedoch fiel jetzt etwas ein, was die Sache vielleicht doch ein bisschen schwieriger machen könnte.
    „Das einzig Gefährliche wäre, wenn sie Rogers mal erwischt hätten und ihn jetzt irgendwie benutzen. Ich habe zwar keine konkrete Vorstellung, wie das aussehen könnte, aber wir sind lange genug dabei, um zu wissen, dass unsere Fantasie für all`die Perversitäten nicht ausreicht, die Leute sich ausdenken, um andere gefügig zu machen.“

    Er runzelte die Stirn. Nein, vorstellen konnte er sich das nicht, aber trotzdem war es vielleicht gut, es mal ausgesprochen zu haben. Vielleicht auch nur, um es zu verwerfen.

    „Insgesamt schätze ich, die Schwierigkeiten fangen erst an, wenn wir SHIELD gefunden haben. Ich bin absolut dafür, hab`ich ja schon gesagt“, sagte er schnell, damit Seth nicht dachte, er wolle eine bereits beendete Diskussion wieder von vorne beginnen, „aber es bleibt die Tatsache, dass die politische Ausrichtung von SHIELD, nun sagen wir mal, ein bisschen undurchsichtig ist. Mir wird wohl erst wohler sein, wenn wir da einen Kontakt persönlich getroffen haben und uns ein konkretes Bild machen können.“

    Denn nur dann würde er den Vorteil, den seine Sinne boten, nutzen und für sich selbst Sicherheit gewinnen können. Nur dann konnte Seth gezielt private und dienstliche Handys anzapfen und überprüfen, wie es um die Vertrauenswürdigkeit seiner Besitzer bestellt war.

    • Diese Antwort wurde vor vor 2 years, 11 months von Annette bearbeitet.
    • Diese Antwort wurde vor vor 2 years, 11 months von Annette bearbeitet.
    #63348

    Annette
    Spieler

    Magneto war sehr zufrieden mit seiner Idee von der Bürgersprechstunde. Er hatte sie bei lupenreinen Demokraten abgekupfert, bei denen sie seit jeher ein Erfolgsmodell gewesen war und deren Volksnähe und Interesse an den Bedürfnissen, Ideen und Nöten der Bevölkerung demonstrierte. Magneto wollte auch Volksnähe demonstrieren. Darüber hinaus interessierten ihn die Bedürfnisse, Ideen und Nöte der Bevölkerung allenfalls, wenn sie von Mutanten stammten und mit seinen Eigenen übereinstimmten. Das aber ließ er natürlich nicht verlautbaren und bisher war das auch nicht weiter aufgefallen. Oder es hatte sich eben keiner getraut, diesen Zustand zu kritisieren, was im Ergebnis auf das Gleiche hinauslief und Magneto auch recht war.

    Insgesamt, dachte Magneto, konnte er sehr zufrieden sein mit den ersten Wochen seiner Regierung. Der Coup zur Regierungsübernahme war gut geplant gewesen und einer der brillanteren Schachzüge der Brotherhood, fand er. Weil nicht nur der Präsidentenmord und die Machtübergabe perfekt vorbereitet gewesen waren, sondern auch der Boden im Hintergrund bereitet worden war, überschlugen sich viele der altgedienten Politikprofis, der neuen Regierung ihre Dienste anzubieten, so dass die neue Regierung auf eine Menge Knowhow zugreifen konnte, das sie sozusagen dazugekauft hatte. Magneto war, im Rahmen bestimmter Grenzen, nicht beratungsresistent und daher beruhigte sich die Lage im Land und die Macht seiner Regierung konsolidierte sich. Die Stimmen, die anzweifelten, dass alles mit rechten Dingen zugegangen war, wurden leiser. Kräftig unterstützt durch die schleichende und beinahe unbemerkt zunehmende Zensur der Medien und der Säuberung wichtiger Gremien von erklärten Mutantenfeinden. Die Menschen gewöhnten sich an die neuen Machthaber, die in den Augen vieler auch nicht wesentlich ungerechter waren als alle Regierungen zuvor. Das Leben war doch schon immer hart gewesen und solange Brot auf den Tisch kam und der Geldbeutel einigermaßen gefüllt war, wollte man sich nicht beschweren. Mutanten wurden jetzt öffentlich unterstützt und gefördert. Na gut, solange man selbst keinen Nachteil hatte und diese Maßnahmen den noch vor Wochen allgegenwärtigen Terror fernhielten, war das doch ein geringer Preis, oder? So oder ähnlich dachten Viele und Magneto war zufrieden.

    Heute also wieder Bürgersprechstunde. Ein Mr. Soundso mit einem Kind, das dringend einen Platz in einem der neuen Institute bräuchte, eine Mrs. Soundso, die sich über ihre mutantenfeindlichen Nachbarn beschweren wollte. Ein Foto für die Presse mit Mr. So und so. Und so weiter… Magneto widmete jedem fünf Minuten, lächelte freundlich, blieb unverbindlich, betonte aber seine Verbundenheit. Er hatte sich schnell in sein neues Politikerdasein eingefunden.

    Jetzt also ein Mr. Summers, dessen Name nicht halb so beliebig war wie alle anderen zuvor. Magneto gingen viele Gedanken durch den Kopf, wenn er an diesen Mr Summers, oder Cyclops wie sein in Magnetos Augen wahrer Name lautete, dachte. Er war Charles`Mann, durch und durch, soviel war klar, auch wenn er nicht mehr im Institut arbeitete. Das war ja sowieso immer nur Tarnung für andere Machenschaften gewesen, die Magneto angesichts der mutantischen Fähigkeiten und der technischen Ausstattung, die den X-Men zur Verfügung standen, allenfalls als halbherzig bezeichnen mochte. Was hätten die X-Men für Möglichkeiten gehabt, wenn sie diese nur mal richtig genutzt hätten! Mutanten wie Cyclops, Phoenix oder Storm hätte auch die Brotherhood nicht von der Türschwelle gestoßen. Allerdings war die Weltanschauung dieser Weltenretter sowohl kindlich naiv als auch störrisch festgefahren, weshalb Magneto sich darauf beschränkt hatte, diejenigen aufzusammeln und mit Kilgraves Hilfe „sanft“ umzustimmen, die ihm mehr oder weniger freiwillig in die Arme liefen.

    Jetzt also kam offenbar wieder ein Freiwilliger, der mal abgewartet hatte, bis die Brotherhood die Drecksarbeit erledigt hatte und die Mutantenschaft aus der Unterdrückung an die Macht geführt hatte. Ein Freiwilliger allerdings, der im letzten halben Jahr durchaus aus der persönlichen Komfortzone getreten und mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Mal sehen, was der wollte.

    Magneto nickte der jungen Frau mit den wunderschönen und hochgiftigen Tentakeln am Rücken, die sich gleich nach dem Machtwechsel als seine Assistentin bewährt hatte, freundlich zu.
    „Lassen Sie ihn herein“, bat er, immer noch ein bisschen mit der politischen Correctness der Anrede fremdelnd. Das war der Nachteil der neuen Situation. Die Brüder- und Schwesterlichkeit war einem distanzierten Politbusiness gewichen, das das Siezen in der Öffentlichkeit notwendig machte.

    • Diese Antwort wurde vor vor 2 years, 10 months von Annette bearbeitet.
    #63340

    Annette
    Spieler

    Julian stand auf, öffnete eine Schublade, der er das Brotmesser entnahm und suchte nach dem Holzbrett, das sonst immer an der Wand über der Arbeitsplatte gestanden hatte. Diese Wohnung, genauso wie diese Küche, war für seinen Geschmack einfach viel zu groß und unübersichtlich. Man war nicht gezwungen, Dinge an die immer gleichen Stellen zu räumen. Doch diese Möglichkeit empfand Julian, der es gern ordentlich hatte, eher als Nachteil, denn als Luxus. Wobei die Wohnung nicht unordentlich war. Es war nur so, dass hier drei Personen mit einer jeweils eigenen Ordnung lebten, die nicht immer kompatibel waren.

    „Ach, da“, entfuhr es ihm, als er das Brett endlich auf dem Regal neben dem Kühlschrank sah, was ihm einen irritierten Blick von Seth einbrachte. Endlich brachte er Brett und Messer an den Tisch und begann, gleichmäßige Scheiben vom Brot herunterzuschneiden.
    „Du möchtest auch, oder?“ Eher eine rhetorische Frage und er wartete Seth` Nicken kaum ab, bevor er weiterschnitt.

    Während Seth den Kühlschrank einräumte und Julian den Tisch deckte, berichtete der Ältere von seinen Ideen. Bei der Erwähnung von Carrie verzog Julian das Gesicht, als hätte er Zahnschmerzen, aber zum Glück wandte er Seth gerade den Rücken zu. Er traute der jungen SHIELD-Agentin nicht über den Weg, seit der im besten Fall als unglücklich zu bezeichnenden Aktion im letzten Jahr, als Seth in Magnetos Gefangenschaft gewesen war. Julian hatte ihr insgeheim immer vorgeworfen, nur mit Netz und doppeltem Boden zu agieren und ihr Engagement auf Aktivitäten zu beschränken, die sie weder den guten Job noch die gemütliche Wohnung und schon gar nicht ihren Freundeskreis kosteten. Allerdings, das gab er gern zu, hätte er sich an ihrer Stelle wahrscheinlich auch nicht anders verhalten. Sie hatte etwas zu verlieren. Er selbst hatte nie eine Wahl gehabt und ja, er war vermutlich neidisch auf diese Wahlmöglichkeit und sein Misstrauen ihr gegenüber war vermutlich vollkommen unangemessen. Dennoch hatte er am liebsten nichts mit ihr zu tun.

    Rogers, ja, das wäre schon eher was, dachte Julian, stellte das Glas mit Gurken auf den Tisch und legte die Senftube daneben. Alles gut verschlossen, genauso wie die Plastikdosen mit dem Aufschnitt.

    Von Rogers, nahm er den Gedanken wieder auf, hielt er eine ganze Menge, hatte er doch das Glück gehabt, den Mann hinter Captain America kennenzulernen, der ihm viel sympathischer gewesen war als die Symbolfigur. Rogers, oder Steve, wie er genannt werden wollte, hatte ihn immer respektiert und war mit ihm auf Augenhöhe geblieben. Er hatte nie alberne Versprechungen gemacht, wie man vielleicht denken könnte, wenn man nur den Volkshelden, der in Julians Augen eher eine Art Comic-Figur darstellte als einen wirklichen Menschen, vor Augen hatte. Nein, Rogers war ernsthaft interessiert gewesen an den Ansichten, Problemen und Ideen anderer. Und besorgt um die Mutanten. Und genau das hatte wohl dazu geführt, dass er im Winter eigene Wege gegangen war, mit der Army gebrochen und selbst Aktivitäten gestartet hatte, die ihn vor dem amerikanischen Gesetz zum Verbrecher machten. Julian hatte naturgemäß lange keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt, aber er war auch nicht sicher, dass Rogers noch Kontakt zu SHIELD hatte, bedachte man, dass SHIELD sich noch im Juni nicht zu schade gewesen war, gemeinsame Sache mit den Soaring Eagles zu machen und eine Gruppe geflüchteter (und angeblich hochgefährlicher, ha!) Mutanten auszuheben. Eine ganze Reihe dieser Mutanten war bei dieser Aktion zu Tode gekommen und das war ja eigentlich das, was Rogers zu verhindern gehofft hatte.

    „Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, dass Rogers noch bei SHIELD drin ist“, sagte Julian jetzt nachdenklich. Er setzte sich an den Tisch und wartete, bis Seth ebenfalls Platz genommen hatte, bevor er sich eine Scheibe Brot nahm und ein kleines Stück abbiss. Langsam kaute er, während er weiter nachdachte.

    „Ich weiß auch nicht, ob er unsere Idee gutheißen und uns helfen würde. Ich schätze, er ist ziemlich enttäuscht von SHIELD. Immerhin ist er damit aufgewachsen, dass das die Weltenretter, die Guten sind.“
    Und vielleicht werden sie ja angesichts der neuen Situation jetzt wieder die Guten, dachte Julian, gezwungen zum gut Sein, sozusagen.

    „Wenn er uns helfen will, kann er uns vielleicht eine Telefonnummer oder einen mail-Kontakt oder ähnliches besorgen. Vielleicht pflegt er da ja auch private Freundschaften jenseits des Dienstes“, sinnierte Julian laut, bevor er den Blick hob und Seth ansah, „auf jeden Fall würde ich lieber versuchen, ihn zu kontaktieren als Carrie.“

    Das würde Seth jetzt vermutlich nicht überraschen, trotzdem wollte er es lieber noch einmal gesagt haben. Verschämt grinste Julian Seth an.

    • Diese Antwort wurde vor vor 2 years, 12 months von Annette bearbeitet.
    #63088

    Annette
    Spieler

    Es war keine große Sache gewesen. Ein Anruf, ein Hinweis auf einen ausstehenden Gefallen… den Rest hatte die Qualität von Peters Arbeit ganz allein geregelt. Im Grunde hatte Patrick nur die Aufmerksamkeit des begutachtenden Gremiums auf den Artikel gelenkt, so dass dieser nicht schon in der Vorauswahl, die nicht frei war von der Beeinflussung durch große Namen und finanzkräftige Firmen, unter den Tisch fiel. Einmal im Verfahren der Peer-Review abgekommen, hatten sich die Gutachter offenbar genauso wenig der sauberen Darstellung der Ergebnisse sowie den bestechenden Schlussfolgerungen entziehen können, wie Patrick. Die Veröffentlichung in der renommierten Zeitschrift war die logische Folge und Patrick fand nicht, dass er derjenige war, dem Peter dies zu verdanken hatte.

    Entsprechend winkte er lächelnd ab, während er sich daran erfreute, dass der Junge ein Strahlen an den Tag legte wie ein zu Weihnachten reich beschenktes Kind.

    „Ich hab‘ nicht viel gemacht“, antwortete er ehrlicherweise, „wäre deine Arbeit nicht so brillant wie sie eben ist, hätte keine Macht der Welt dazu geführt, dass sie in der Science veröffentlicht wird. Es brauchte nur einen kleinen Schubser, damit sie gesehen wird.“

    Patrick hob die Schultern. Er hatte bis gerade eben nicht gewusst, ob seine Intervention zu Erfolg geführt hatte. Und er hätte auch nie damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde. Offenbar war Peters Arbeit noch besser oder vielleicht auch noch bedeutender, als er selbst es mit seinem laienhaften Wissen über die Materie hatte beurteilen können. So gesehen hatte er vermutlich eher der Wissenschaft und damit vielleicht der ganzen Menschheit einen Gefallen getan, indem er diesen jungen Mann auf das große Parkett brachte.

    „Vermutlich wird jetzt eine Menge Arbeit auf dich zukommen“, warnte er den jungen Wissenschaftler, „abgesehen von den Folgen für deine wissenschaftliche Arbeit, meine ich. Jetzt beginnt der öffentliche Zirkus, ich hab‘ dich gewarnt.“

    Patrick jedenfalls würde sich nicht wundern, wenn Peter der neue Popstar der Wissenschaft würde. Ein genialer Teenager mit einem losen Mundwerk war genau das, wonach sich jede Late-Night-Show die Finger leckte. Jetzt würde sich zeigen, ob Peter neben wissenschaftlicher Brillanz auch so viel Charakterstärke besaß, dass er das, was da auf ihn zukam, für seine Wissenschaft nutzen konnte oder ob er den Boden unter den Füßen verlor. Patrick war in dieser Hinsicht zuversichtlich.

    #63069

    Annette
    Spieler

    „Natürlich werden wir uns darum kümmern, Mrs. Gile“, versicherte Patrick nun zum gefühlt hundertsten Mal der alten Dame, die eigens gekommen war, um ihn an seine Pflichten zu erinnern und bei der Gelegenheit eine Menge guter Ratschläge zu geben, wie man dieses Land regieren könne. Immer noch lächelte er freundlich, immer noch blieb sein Tonfall ruhig und zugewandt. Dennoch erhob er sich jetzt von seinem Platz und trat zu seinem zweiwöchentlichen Stammgast, um ihr beim Aufstehen behilflich zu sein. Er wusste, sie benötigte deutliche Signale, um zu bemerken, dass ihre Zeit für dieses Mal wieder vorbei war.
    „Grüßen Sie Ihren Sohn, Mrs. Gile“, fügte er hinzu und schob den Rollator vor sie, damit sie sich stützen konnte, bevor er ihren Arm losließ, „meine Empfehlung an die Schwiegertochter und alles Gutes für das Kleine.“
    Damit schob er sie sanft Richtung Tür, wo Aubree mit der Liste der heutigen Anmeldungen stand, die alte Dame ebenso zuvorkommend wie bestimmt in Empfang nahm und einem weiteren Schwall gute gemeinter Ratschläge, -dieses Mal zum Thema „es wird Zeit, dass du dir den richtigen Mann suchst, Kindchen“-, professionell ein Ende bereitete, indem sie kurzerhand durch den Vorraum schob und den nächsten Besucher aufrief.

    Patrick seufzte verstohlen und stemmte kurz die Hände ins schmerzende Kreuz. Er wusste, die Mrs. Giles dieser Stadt waren zuverlässige Wählerinnen und er akzeptierte, dass Sprechstunden wie diese zu seinem Job gehörten, aber das änderte nichts daran, dass er sie anstrengend und ermüdend fand. Nun ja, gleich war es geschafft, nur noch ein Besucher, hatte Aubree ihm augenzwinkernd in Aussicht gestellt, bevor sie ihn süffisant lächelnd seinem zweiwöchentlichen Stelldichein mit Mrs. Gile überlassen hatte.

    Patrick straffte sich, als die Tür wieder aufging, und setzte sein professionelles Lächeln auf.
    „Mr. Peter Parker, Herr Senator“, stellte Aubree vor und öffnete die Tür weit für den eintretenden Besucher, bevor sie sie von außen wieder schloss.

    Aus Patricks beruflichem Lächeln wurde ein Echtes und er breitete voll ernst gemeinter Freude kurz die Arme aus.
    „Peter, was für eine schöne Überraschung!“
    Er trat auf seinen Besucher zu und bot ihm die Hand zur Begrüßung an.
    „Wie geht es dir? Setz dich.“

    Patrick wies auf den kleinen, dreieckigen Tisch, um den drei Plastikstühle standen. Das hier war die Parteizentrale und er arbeitete in einem der Standardbüros, wenn es auch etwas größer als andere und mit einem angeschlossenen Sekretariat versehen war. Die Einrichtung wurde gestellt und hatte nichts gemein mit dem wohnlichen Ambiente seines Büros in Washington. Draußen regnete es, so dass trotz des warmen Wetters und trotz der angeblich hellen Jahreszeit das Deckenlicht eingeschaltet war und die etwas ungemütliche Atmosphäre vollständiger Ausleuchtung verbreitete.

    #62986

    Annette
    Spieler

    Na also, dachte Magneto, da ist sie ja!
    Er ließ sich seine Erleichterung nicht anmerken, doch er fand es sehr beruhigend, dass Paxtons latente Vorwürfe es geschafft hatten, das Mädchen aus ihrer Lethargie zu reißen und zornig zu machen. Wer zornig werden konnte, der lebte noch. Auch wenn sie für diese Energieleistung mit einer neuerlichen Welle der Übelkeit bezahlte. Doch es war eindeutig Blink, die da lebte. Blink mit ihrem verqueren, immer ziemlich egozentrischen Blick auf die Dinge, so wie sie eben war.

    Magneto verstand Paxtons Vorwürfe. Offensichtlich betrachtete der junge Mann sich als ein Freund dieses exzentrischen Mädchens und war gekränkt, dass sie in ihrer Not nicht zu ihm gekommen war. Und offensichtlich hatte er das Prinzip der Bruderschaft deutlich besser begriffen als sie. Ja, in ihrer Bruderschaft standen sie zusammen, halfen sich gegenseitig, waren loyal. Aber Blink war immer ein bisschen anders gewesen. Misstrauisch hinter ihrem Schutzschild aus Fun-factor, so hatte Magneto schon früher vermutet, ein One-woman-Team, das tief in ihrem Herzen niemanden vertraute als sich selbst.

    Und doch hatte auch sie sich als loyal erwiesen. Quicksilver gegenüber, dem sie nahestand. Magneto hatte nicht vergessen, dass sie es gewesen war, die die alles entscheidende Information gebracht hatte, die dem entführten Bruder bis an den Rand der Erschöpfung und nach Kuba gefolgt war, die hoch konzentriert und effizient zu seiner Befreiung beigetragen hatte.
    Auch sie hatte das nicht vergessen und forderte für sich die gleiche Loyalität. Zu recht, fand Magneto, der grundsätzlich immer alles daransetzte, gefangene Brüder und Schwestern so schnell wie möglich frei zu bekommen. Weil sie Familie waren und auf seine Loyalität bauen konnten, aber auch weil ein gefangenes Brotherhood-Mitglied immer ein unkalkulierbares Risiko für alle war. Die Regierung hatte Methoden, um Leute zum Reden zu bringen, denen längst nicht alle gewachsen waren.

    Der alte Mann kniff die Augen zusammen und musterte die sich übergebende, junge Frau, die den Eindruck machte, als könne sie sich kaum auf den Beinen halten. Hatte sie ausgepackt? Oder hatte sie sich geweigert und zum Dank eine Dosis des tödlichen Mittels bekommen? Oder war die Army gar nicht auf die Idee gekommen, dass ein so durchgeknalltes, unberechenbares Wesen wie Blink Mitglied in einer straff organisierten Terror-Einheit war?

    Dann wanderte sein Blick zu Paxton, dessen Bedenken in eine ähnliche, allerdings deutlich harmlosere Richtung gingen. Auch diese Bedenken konnte Magneto nachvollziehen, auch diese Bedenken waren gerechtfertigt. Allerdings brachte es sie nicht weiter, sie hier und jetzt auszusprechen, wie Blinks Reaktion zeigte.

    Magneto seufzte.
    „Vorwürfe bringen uns nicht weiter“, fasste er zusammen, „und sie machen nichts ungeschehen.“
    Er wandte sich an Blink.
    „Jetzt hat dein Freund Paxton dich gefunden und hier sind wir, deine Familie. Also wäre jetzt eine gute Gelegenheit, das auf-der-Straße-Verrecken aufzugeben und zurückzukommen.“
    Magnetos Ton war bestimmter geworden. Er sah das Elend und ihre Enttäuschung und er wusste, sie würde sterben. Er war außer sich über den Erfolg dieser entwürdigenden, verlogenen Kriegsführung der Regierung, die jetzt sogar seine eigenen Reihen betraf. Er hatte längst beschlossen, dass es darauf eine Reaktion von der Brotherhood geben würde. Aber all`das war hier und jetzt nebensächlich und er wäre nicht würdig, eine so mächtige Organisation wie die Brotherhood zu führen, wenn er sich hier, in aller Öffentlichkeit von seinen Gefühlen leiten und in nutzlose Diskussionen verstricken ließ. Blink würde sie jetzt begleiten oder sie würden sie einfach mitnehmen. Denn es war ein viel zu großes Sicherheitsrisiko, sie in diesem Zustand draußen herumlaufen zu lassen.

    • Diese Antwort wurde vor vor 3 years, 6 months von Annette bearbeitet.
    #62929

    Annette
    Spieler

    Magneto hatte kein Problem mit patzigen Jungspunden, er war das gewohnt. Sie wollten nicht gehorchen, sondern ihren Impulsen folgen und diese waren meist hitzköpfig und undurchdacht, nicht nur bei Feuermutanten. Dennoch schnaubte er kurz, um Paxtons Einwand vom Tisch zu fegen. Natürlich mussten sie etwas tun, das hatte er doch gerade gesagt, sie brauchten einen Plan. Allerdings keinen, der Blink retten würde, denn das war zurzeit, soweit Magneto wusste, nicht möglich. Allerdings sah der alte Magnetokrat auch nicht, wie das Niederbrennen eines „Wichsers“, wie Paxton es zu beschreiben pflegte, irgendwie zur Rettung der geschwächten Mutantin beitragen sollte und deswegen ignorierte er diesen Zusammenhang, der in seinen Augen sowieso keiner war, geflissentlich.

    Was Paxton wollte, war Rache, ein Ventil für seine Wut. Und das wiederum hieß Magneto gut, denn Rache war ein starker Antrieb, der Hemmschwellen senkte und die Opferbereitschaft stärkte. Und die würden sie brauchen, wenn sie einen Angriff auf die militärische Elitetruppe planten, die dieses Desaster zu verantworten hatte.

    „Eins nach dem anderen“, sagte er daher versöhnlich und schenkte dem schmollenden Mutanten, dem es trotz seiner Hitzköpfigkeit gelang, die Hände in den Taschen zu behalten, ein Lächeln, „und das Wichtigste zuerst. Erst kümmern wir uns um Blink, dann um Vergeltung.“

    Blink allerdings begann ihm allmählich ernsthaft Sorgen zu machen, auch wenn es ihn nicht hätte wundern sollen, wie angeschlagen sie nach dem Erlebten war. Wahrscheinlich bekam er das alte Bild des ewig trotzigen, kämpferischen, oft unverschämten Mädchens mit dem überbordenden Selbstbewusstsein und dem nie versiegen wollenden Mut noch nicht so ganz mit dem Bild überein, das sich hier und jetzt präsentierte. Immer noch schien er zu hoffen, dass sie ihren Lebensmut wiederfinden, aufstehen, in die Hände spucken und weitermachen würde. Eine Illusion, eine Unmöglichkeit, wie sein Verstand ihm sagte, während sein Herz die Hoffnung nicht aufgab.

    Doch dann sagte Blink etwas, das ihn aufhorchen ließ. Es gab jemanden, der an einem Gegenmittel forschte? Gut, vermutlich gab es Viele, aber die musste man erst einmal kennen und finden. Aber so war es hier nicht gewesen. Blink war von ihr, offenbar von einer Frau, gefunden worden. Zufällig? Oder nicht ganz so zufällig?
    Magneto schwankte zwischen Misstrauen und Hoffnung. Nun, egal. Offensichtlich hatte das Gefunden werden ja nicht bewirkt, dass Blink von der Straße, auf die sie von den Soldaten geworfen worden war, wieder wegkam. Denn hier saß sie, am Straßenrand, ein Häuflein Elend, das die Gesellschaft um Almosen anbettelte. Allzu weit konnte es mit der Großherzigkeit dieser Frau also nicht her sein.

    Doch Magneto wusste, dass er behutsam vorgehen musste. Blink war ganz offensichtlich traumatisiert, da reagierte man auf Kritik am vermeintlichen Rettungsanker schon einmal irrational bis aggressiv.

    „Das ist doch eine gute Nachricht“, antwortete Magneto der jungen Frau daher freundlich und ignorierte ihren offenkundlichen Anfall von Übelkeit, „du weißt, dass es bei uns eine gute Laborausrüstung und auch einige Fachleute gibt. Was hältst du davon, wenn du unsere Kontaktperson wirst und ein Treffen zwischen deiner Retterin und unseren Wissenschaftlern vermittelst? Vielleicht finden sie das Gegenmittel rechtzeitig, vielleicht hilfst du damit auch denen, die es nach dir erwischt.“

    Nein, Magneto machte ihr nicht vor, dass sie auf jeden Fall gerettet werden würde. Sehr wahrscheinlich würde sie das nicht. Aber vielleicht würde es der jungen Frau, die ihre Identität auf brutale Weise verloren hatte, ja helfen, wenn sie wusste, dass sie andere vor diesem Schicksal bewahren konnte. Allerdings war Blink auch noch nie besonders sozial eingestellt gewesen. Es hatte sie immer herzlich wenig interessiert, wie es anderen ging. Aber vielleicht hatte sich ja auch das durch diese einschneidende Erfahrung geändert. Einen Versuch war es jedenfalls wert.

    • Diese Antwort wurde vor vor 3 years, 6 months von Annette bearbeitet.
    #62795

    Annette
    Spieler

    Innerlich verdrehte Magneto die Augen, als Paxton, dessen Hitze auch er deutlich spürte, obwohl er sich noch einige Meter entfernt befand, Blinks Hand ergriff und sie fest umschloss. Der Junge war wirklich o.k., aber für Eleganz und Feinheiten hatte er einfach keine Ader.
    „Lass sie los und bring Abstand zwischen euch“, wies er den Hitzkopf an, während er das Mädchen gleichzeitig sanft an Ort und Stelle fixierte, indem er sich auf die Nieten ihrer Lederjacke konzentrierte, „es ist ihr nicht geholfen, wenn sie in Flammen aufgeht.“

    Das war der einfachere Teil dieser Situation. Paxton würde seiner Aufforderung Folge leisten, denn der junge Mann stellte nie etwas in Frage, was der alte Magnetokrat befahl. Magneto mochte diese kritiklose Loyalität nicht besonders, aber manchmal war sie praktisch und alles in allem war es auch nötig, solche Gefolgsleute zu haben, wenn man schnell und unbarmherzig zuschlagen wollte. Da brauchte man keine Diskussionskünstler à la Blink, als sie noch bei Kräften gewesen war.

    Das war sie jetzt nicht mehr und es wurde Zeit, dass Magneto sich diesem schwierigeren Teil des Problems widmete. Blink verfügte über keinerlei Fähigkeiten mehr und vor allem würde sie in absehbarer Zeit sterben. Magneto hatte die Geschehnisse der letzten Monate aufmerksam verfolgt und es war ihm schnell klar gewesen, dass die auffällig hohe Zahl von Todesfällen unter plötzlich degenerierten Mutanten auf die Einnahme dieses Medikaments zurückzuführen war. Wobei sowohl der Begriff „Einnahme“ als auch der Begriff „Medikament“ mehr als irreführend waren. Es handelte sich nach Meinung des alten Kämpfers eher um eine sehr perfide Art der chemischen Kriegsführung. Bisher hatte es keinen von Ihnen getroffen. Nun aber doch. Und zwar Eine, die immer wieder Abstand zur Gruppe gesucht hatte, was nicht zuletzt auf seine eigene Strenge und deutlichen Worte zurückzuführen gewesen war. Magneto hatte nicht direkt ein schlechtes Gewissen, denn es war ihre Entscheidung gewesen, sich dieser Gefahr auszusetzen, aber ein kleines bisschen fühlte er sich doch mitverantwortlich. Mit anderen war er behutsam und fürsorglich umgegangen, doch ihre provokative Art, die seine Autorität immer wieder in Frage gestellt hatte, hatte ihn veranlasst, hart mit ihr umzuspringen und sie zeitweise sogar vollständig aus der Bruderschaft zu verbannen. Ihr derzeitiger Zustand ließ sich also nicht vollständig außerhalb des Zusammenhangs ihrer Beziehung betrachten. Fand Magneto, der allerdings auch wusste, dass Paxton diesen komplexen Gedankengängen vermutlich nicht folgte, sondern nur seine alte Freundin gerettet sehen wollte.

    Das würde Magneto nicht schaffen, das sah er realistisch. Aber dennoch konnte er etwas für sie tun. Er konnte ihr einen Platz zum Sterben geben. Einen Platz, an dem sie ohne Angst und körperliche Entbehrungen sein konnte, der ihr vielleicht mit der Erleichterung durch Schmerzmedikamente einen so würdevollen Tod wie möglich ermöglichte. Und sie würde, auch ganz ohne ihre Fähigkeiten noch einen Nutzen haben. Ihr Zustand würde diejenigen warnen, die die Gefahr nicht ernstnahmen und sich für unantastbar hielten.

    „Du gehörst zu uns, egal wie es dir geht“, sagte er nun schlicht, ohne die magnetische Fessel zu lösen, „und wir lassen diejenigen nicht fallen, denen Schlimmes widerfahren ist.“
    Er hielt kurz inne und sah sie eindringlich an.
    „Wir hatten Differenzen… Streit, Meinungsverschiedenheiten in der Vergangenheit, aber das hier hat nichts damit zu tun. Du bist unsere Schwester und das bleibst du auch.“

    Er suchte in ihren Augen nach dem Nachlassen der Angst, nach der Bereitschaft, ihnen zu folgen. Erst dann würde er sie loslassen. Um ihr einen Augenblick des Nachdenkens zu gönnen, wandte er sich wieder an Paxton.
    „Du brennst ohne Auftrag niemanden nieder, ist das klar? Ich will nicht, dass du der Nächste bist, den es erwischt. Diese Soldaten sind eine Elitetruppe. Die wissen was sie tun. Mit Hitzköpfigkeit kommen wir da nicht weiter. Wir brauchen einen Plan. Und zwar einen Guten.“

    • Diese Antwort wurde vor vor 3 years, 7 months von Annette bearbeitet.
    #62747

    Annette
    Spieler

    Praxton fuhr erschrocken herum. Magnetos Stimme war immer noch volltönend und sein Tonfall verriet, dass er es gewohnt war, dass seinen Befehlen Folge geleistet wurde. So auch jetzt. Paxton ließ den Jungen los und wirkte irgendwie ertappt. Oder bildete Magneto sich das nur ein? Denn die nächsten Worte des jungen Mannes ließen auf anderes schließen.

    „Was?“, schnappte der Alte und brauchte einen Moment, bis Praxtons Worte sich ihren Weg in sein Bewusstsein gebahnt hatten. Der erste Satz… nein, das konnte nicht sein! Blink war eine schrille, rotzfreche und ein wenig zu selbstbewusste junge Frau, mit der er alle Hände voll zu tun hatte. Viel Potential hatte sie auch und in letzter Zeit schien sie immerhin allmählich verstanden zu haben, dass die Brotherhood kein Freizeitpark war, wo jeder machte was er wollte. Magneto hatte es wohlwollend registriert und ihre freche, manchmal unverschämte Art zunehmend toleriert, solange sie ihre Jobs gut machte. Und das tat sie. Also, das da war garantiert nicht Blink! Nicht in der Haltung, nicht in der Ausstrahlung, nicht einmal in ihrem äußeren Erscheinungsbild. Das da war nur irgendeine bemitleidenswerte Kreatur, die die menschliche Gesellschaft ausgespuckt hatte, auf das alle anderen sich wertvoller fühlten.

    Es war nicht so, dass Magneto das Mitgefühl für die Menschen am Rande der Gesellschaft fehlte. Es war aber eher das Mitgefühl, das man mit einem Käfer hatte, dem ein Bein fehlte. Man sah kurz hin, bedauerte das arme Tier, wandte sich ab oder zertrat es unter dem Absatz, um das Leid zu beenden. Und immer schwang bei Magneto auch eine gewisse Verachtung mit für diese schwachen Homo Sapiens, die keine Stärke in sich hatten und so etwas mit sich machen ließen.

    Dann aber kam der zweite Satz und der hebelte Magnetos Welt aus den Angeln.
    „Was?“, fragte er wieder, diesmal eher erschüttert als ungläubig. Langsam kam er näher und betrachtete den jungen Menschen, der nun wenigstens auf die Beine kam und Paxton etwas zu sagen schien, genauer. Immer noch erkannte er keine Ähnlichkeit mit Blink, ja immer noch war er nicht sicher, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte. Doch dann traf ihn ihr Blick. Kurz nur, voller Verzweiflung und Angst, bevor sie ihn wieder senkte und sich davonmachen wollte. Doch es genügte. Es genügte, um dem alten Mann die Zornesröte ins Gesicht zu treiben angesichts dieser neuerlichen barbarischen Qual, die man einer von ihnen zugefügt hatte. Nichts war geblieben von Blink, gar nichts. Nicht die besonderen Augen, nicht die spitzen Ohren, nicht die Male im Gesicht. Und das waren nur die äußerlichen Merkmale ihrer Mutation gewesen. Magneto wusste, dass sie etwas viel Wichtigeres verloren hatte, etwas, über das sie sich identifizierte und als wertvoll erlebte. Ihre Fähigkeiten. Das braucht er nicht zu fragen und er hätte es auch erkannt, wenn ihm die Wirkweise der entsetzlichen Waffe, als die er diese chemische Keule gern bezeichnete, nicht bekannt gewesen wäre. Er sah es daran, wie sie sich kleidete, wie sie ihrer Frisur jeden Charakter genommen hatte, wie spannungslos ihre Haltung war. Man hatte ihr alles genommen, alles.

    „Stopp!“, sagte er nun, da er nahe genug herangekommen war. Er sagte es weder laut noch herrisch, eher behutsam, aber dennoch mit Nachdruck, „bleib stehen, hab‘ keine Angst!“

    Magneto sprach mit ihr wie mit einem verängstigten Kätzchen und kurz schoss ihm der Gedanke durch den Kopf, wann sie ihm das letzte Mal wirklich unverschämte Widerworte gegeben hatte. Das war schon eine ganze Weile her, denn sie hatte sich in letzter Zeit große Mühe gegeben, sich unter Kontrolle zu halten. Magneto hatte das begrüßt und er hätte nicht behauptet, dass ihre aufsässige Art ihm fehlte, aber das hier, das war schlimmer, viel viel schlimmer. Seine Augen wanderten an der spannungslosen Figur vor ihm, die es nicht wagte, ihn anzusehen, auf und ab.

    „Blink, Paxton, lasst uns nach Hause gehen und überlegen, was zu tun ist“, fuhr er dann nüchtern fort. Es wurde Zeit, dass etwas passierte.

    • Diese Antwort wurde vor vor 3 years, 9 months von Annette bearbeitet.
    • Diese Antwort wurde vor vor 3 years, 9 months von Annette bearbeitet.
    • Diese Antwort wurde vor vor 3 years, 9 months von Annette bearbeitet.
    #62685

    Annette
    Spieler

    Magneto bewegte sich zielsicher durch die belebten Straßen New Yorks. Ein Vorteil seines Alters war, dass bei dem gediegenen Herrn mit tiefsitzendem Hut, der die Achtzig sicher schon überschritten hatte, niemand zweimal hinschaute. Natürlich wusste die Öffentlichkeit, dass der gesuchte Top-Terrorist dieses Landes ein alter Mann war, doch dieses Wissen konnte sich in der Regel nicht gegen die erlernte Einschätzung von alten Männern als harmlose Großväterchen durchsetzen. Im Falle von NS-Kriegsverbrechern, denen plötzlich die versammelte Toleranz der Menschheit entgegenschlug, nur weil sie alt waren, regte Magneto sich unendlich darüber auf. Aber das hinderte ihn nicht daran, genau diesen Effekt auch für sich selbst zu nutzen.

    Niemand also hätte vermutet, dass dieser ältere Herr, in gutsitzender Anzughose und knielangem Mantel, mit akkurater Frisur und klaren Augen etwas Böses im Schilde führte. Tat er ja auch nicht. Er war gewissermaßen unterwegs, um die Jugend zu fördern und ihr einen Weg in die Zukunft zu eröffnen. Oder wie hätte man es sonst bezeichnen sollen, dass er sich gutmütig von einem etwas simpel gestrickten Mittzwanziger, der bei der Brotherhood war, weil er sonst nirgendwo eine Chance bekommen hatte, an eine windige Ecke in diesem heruntergekommen Stadtteil bestellen ließ. Gut, besagter Mittzwanziger hatte durchaus Qualitäten, die Magneto schätzte. Als allererstes natürlich eine spektakuläre Mutation, mit der er die Menschheit das Fürchten lehren konnte. Dann die Bereitschaft, genau das auch zu tun. Und nicht zuletzt eine Loyalität, die einen Gehorsam nach sich zog, den Magneto sich von mehr Mitgliedern der Brotherhood gewünscht hätte. Wenn Paxton Prewett einen Auftrag erhielt, dann konnte man diesen im selben Moment als erledigt betrachten. Der Junge war zuverlässig wie ein Uhrwerk.

    Aber er war eben kein Uhrwerk, sondern ein junger Mensch aus schwierigen Verhältnissen, für die Magneto immer schon eine Schwäche gehabt hatte. Man konnte es Sentimentalität oder Romantik nennen, aber er mochte die Jungs und Mädchen, die es nicht leicht hatten und sich dennoch nicht unterkriegen ließen und immer wieder aufstanden. Und so einer war Paxton. Gut, man musste ihn immer wieder aus einer Polizeistation holen, aber sei`s drum. Wenn es sonst keine Probleme gab…

    Jetzt jedenfalls hatte Paxton ihn hierher bestellt, weil er ihm ein potentielles neues Mitglied vorstellen wollte. Warum er das nicht in einem netten Café oder in einem schönen Park oder vielleicht auch am Fuße der Freiheitsstatur tun konnte, wie Magneto sicherlich vorgezogen hätte… Nun, er war eben ein Junge von der Straße und fühlte sich hier offensichtlich immer noch zu Hause. Und Magneto war ja kein Unmensch. Ein kleines Zugeständnis an die Jugend…

    Als Magneto jedoch an die Stelle der Verabredung kam, blieb er abrupt stehen. Das sah aber gar nicht gut aus! Paxtons Kandidat schien ein Obdachloser zu sein, der vor Angst am liebsten im Erdboden versunken wäre. So jedenfalls sah es auf die Entfernung aus. Paxton stand über ihn gebeugt und das Bündel Mutant am Boden schien ihn abwehren zu wollen. Hatte dem Jungen denn niemand gesagt, dass die Brotherhood unter keinen, aber wirklich unter gar keinen Umständen Mutanten gegen ihren Willen rekrutierte? Denen konnte man einfach nicht vertrauen und daher waren sie auch nicht zu gebrauchen.

    „Paxton!“, donnerte Magneto über die Distanz und registrierte, wie einige Passanten erschrocken innehielten, „lass den Jungen in Ruhe, aber sofort!“
    Damit war für die Passanten wieder alles in Ordnung. Magneto blieb stehen und erwartete, dass Paxton sich zu ihm gesellte. Wenn der Junge am Boden verschwinden wollte, sollte er jede Möglichkeit dazu bekommen.

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